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Dr. Christian Dewanger

Drei Herzen schlagen in meiner Brust. Mein erstes Herz gehört der Wissenschaft: Ich liebe es, Dingen auf den Grund zu gehen, sie zu durchdringen und zu verstehen. Ich liebe Erklärungen und Theorien und ich liebe Fakten und empirische Befunde. Mein zweites Herz gehört dem Urgrund: Ich liebe die Mysterien, die Ungreifbarkeit des Daseins, die Tiefen der Spiritualität. Ich liebe die Bewegungen des Herzens, den Schritt hinter die Grenzen des Verstandes. Mein drittes Herz gehört dem Leben: Ich liebe das Lachen und Weinen, die Frustration wie die Lust. Ich liebe gutes Essen, Geselligkeit und den Genuss, die Natur und die Schönheiten und Verstörungen der Kunst.

Darum bin ich auf dem Weg des Taijiquan unterwegs, denn dort spielen alle drei Herzen zusammen, bilden sie das Yin und Yang meiner Arbeit. Seine daoistischen Modelle und Sichtweisen inspirieren mich täglich aufs Neue und zugleich stellt die Praxis des Taijiquan und Qigong unendliche Möglichkeiten zur Verfügung, sich mit seinem Dasein im Leben zu erfahren und zu ergründen. Und so lehrreich und wandelnd es auch ist, tief in sich einzutauchen und dem Gestalten des Qi zu folgen, so bereichernd ist es doch, dies gemeinsam zu tun, mit Humor, Freude und Leichtigkeit. In einer Gemeinschaft lässt es sich viel leichter den Schatten und Unzulänglichkeiten begegnen, kann das eigene Lernen viel freudiger und lebendiger gestaltet werden. In einer Gemeinschaft ist der Genuss größer, sind Erfahrungen inspirierender.

Nachdem ich vor nun mehr als 20 Jahren anfing, die Formen des Taijiquan und Qigong zu unterrichten, hat sich meine Arbeit daher mittlerweile darauf verlagert, daoistische Begleitung anzubieten und die Formen mehr als Werkzeuge der körperlichen, emotionalen, geistigen und energetischen Selbsterkundung anzuwenden. Dabei kommt es nicht auf Können an, denn egal ob Anfänger in der ersten Stunde oder alter Hase nach etlichen Jahren: Immer geht jeder seinen eigenen Weg in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art. Und so begleite ich im Taijiquan Menschen auf ihren Wegen, die im Idealfall zu ihnen selbst führen, in jedem Fall aber Wandlung in sich tragen und Spaß machen. Es sind Wege, die uns mehr Gelassenheit, mehr an innerem Frieden und mehr an innerer Kraft bringen.

Wer es gerne formaler mag:

Ich bin Jahrgang 1974, habe Kinder, ein Diplom in Erziehungswissenschaften und eine Promotion in Psychologie. 10 Jahre war ich in der Ratsversammlung in Flensburg politisch aktiv, widme mich nun aber ausschließlich Dingen, die Menschen wirklich helfen. An der EUF arbeite ich im wissenschaftlichen Mittelbau am Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften / Abteilung Psychologie. Seit 2001 unterrichte ich Taijiquan und Qigong, habe mit »Vom Dao zum Gong Fu« und »Mit Gong Fu ins Wan Wu« zwei Fachbücher zum Taijiquan und Qigong herausgegeben. Ein drittes ist in Arbeit…

Die Mischung aus wissenschaftlicher Arbeit an der Europa-Universität Flensburg und dem Lernen und Lehren des Taijiquan hat aus mir einen Kopf-, einen Herz- und einen Bauchmenschen gemacht. Als Kopfmensch liebe ich rationale Analysen, logische Folgerungen, Fakten und empirische Prüfungen. Als Herzmensch liebe ich den Austausch, das Fühlen und Spüren. Als Bauchmensch liebe ich Gemeinschaft, Geselligkeit und den Genuss.

In meinem Taijiquan kommt daher alles zusammen.

Mit 22 Jahren bin ich sehr jung zum Taijiquan gekommen und wusste doch sofort, dass ich nie mehr damit aufhören werde.

Im Juni 1974 geboren ist mein Sternzeichen Zwilling. Und irgendwie zieht sich die Doppelhaftigkeit in Form von Kontrasten und Gegensätzen durch mein Leben. Ich bin Wissenschaftler, also der Ratio, Evidenz und Empirie verschrieben. Ich bin aber auch Mystiker